Eigentlich wollte ich überhaupt nicht nach Dubai. Aber richtig traveln, hab ich mir sagen lassen, funktioniert so: Man hat keinen Plan und folgt Leuten, die man auf seinen Reisen trifft. Nun hatte ich ja schon alle Flüge gebucht. Aber der Engländer und der Brasilianer hatten mich eingeladen und es lag eh auf dem Weg. Also hielt ich für fünf Tage in Dubai an. Y Not !!

Als ich ankam, war es Abend und auf 40 Grad abgekühlt. Der Nachteil an der Hitze ist nicht die Hitze, sondern die Kälte. Überall Stalingrad, dank Aircon. Trotzdem hatte ich Lust auf ein kühles Bier, denn es war der Tag des EM-Finales. In Vietnam hatte ich mir noch ausgemalt, wie ich dem Engländer im Siegestaumel beide Mittelfinger ins Gesicht fisten würde, aber letztlich mussten ja doch die Besten gewinnen, schnarch. Jedenfalls, es gab ein Problem: Alkohol kriegt man in Dubai nur in ausgewählten Etablissements! Für den Konsum braucht man eine Lizenz! Im Supermarkt gibt es kein Bier! Das Geschäft, das Alkohol führt, ist eine halbe Autostunde entfernt!
Nach ca. zwanzig Schritten saßen wir dann in einer Hotelbar und man servierte uns mit dem größten Vergnügen einen Eimer voll gekühlter Bierflaschen. Auf der Leinwand lief das Finale, ich unterhielt mich mit Leuten, die beruflich Ponyreiten.

“Ich bin gespannt, wie sie auf dich reagieren”, schmunzelte der Engländer, als wir am nächsten Tag zu seinen Rennpferden fuhren. Machen wir es kurz: Eins fraß meine Hand. Da fiel mir wieder ein, was das im Grunde für Idioten sind, Pferde. Diese da im Speziellen sind noch mal extra überflüssig, weil sie alles in den Arsch geschoben kriegen, von Sklaven aus Indien oder Bangladesch. Letztere haben noch einen vergleichsweise angenehmen Job: Ich habe einen sehr interessanten Artikel über die “dunkle Seite von Dubai” gelesen, der “mittelalterlichen Diktatur”. Ich nehme an, die “helle Seite von Dubai” besteht aus dem höchsten Haus der Welt, Mega-Malls mit integriertem Aquarium, Wasserfontänen-Shows untermalt mit Whitney Houston Songs und einem Indoor-Skiresort in der Wüste. Oder war das die dunkle? Ich verwechsel das immer.

Meine persönliche “helle Seite” sah so aus:
  1. In einem der Einkaufscenter gab es eine hervorragend ausgestattete Spielhalle. Inklusive Airhockey, Basketball, Punchingball… Ich verlor in allem, außer im Basketball und einem Spiel, wo man ultragewalttätig auf auf- und wieder abtauchende Pinökel eindreschen musste. Mein Preis: Ein Massageball.
  2. Im Dubai Yachtclub verzehrten wir ein hervorragendes English Breakfast. Die haben aber auch superschöne Klos, für wenn es einem mal nicht so gut geht, nachdem man erfahren hat, aus was Black Pudding gemacht wird.
  3. Am letzten Tag nahmen wir an einer Wüstensafari teil. Ein Araber im Türsteheroutfit fuhr uns Kaugummi kauend die Dünen rauf und runter und brachte uns in ein Camp, wo man ein Kamel reiten und sich eine Bauchtanzshow ansehen konnte. Vorher ertönte eine Ansage: “Please do not dance. It is the law that you cannot dance. If you dance, they will find us. Thank you. *mikrofonquietsch* Please do not dance.” Versteinert genossen wir die Bauchtanzshow. Danach kam ein Derwisch in einem reich geschmückten Kleid (Crossdressing = ok?!) auf die Bühne und drehte sich. Nach der Show ermunterte er Leute aus dem Publikum, sich ebenfalls am Drehen zu versuchen, um sich an ihrem Versagen zu ergötzen. Das war erlaubt. Ansonsten ließ ich noch einen Greifvogel auf meiner Hand sitzen und probierte eine Burka an. Dieses Erlebnis machte mich nachdenklich und ich sagte zum Engländer: “Birds need to be free, man!”
 
 
Alles in allem: Wer dachte, Hawaii sei eine lebensfeindliche Fake-Welt, war noch nicht in Dubai. Aber man muss sich wenigstens nicht mit überfreundlichen Einheimischen rumschlagen. Der Engländer lebt jetzt sechs Jahre in Dubai und hat sich noch nie mit einem Araber unterhalten. Das kam mir alles ein bisschen merkwürdig vor. Deswegen war ich ganz froh, dass jetzt wieder Europa vor mir lag. Next Stop: Istanbul!