Ich reiste kürzlich mit einem Haufen Amerikanern durch Griechenland. Ich erhole mich nur langsam davon. Vielleicht ist so eine Gruppenreise doch zu anstrengend, zwischen zwei Arbeitstage gequetscht. Ich war in 15 Tagen in Athen, in Kalambaka, in Delphi, in Nafplio, auf Kreta in Chania, wir sind durch die Samaria-Schlucht nach Agia Roumeli gewandert (17 km!), wir waren in Loutro, in Iraklio und auf Santorini in Perissa, Fira und Oia. Ächz.

Mit meinem 2-Stunden-Flug war ich eigentlich noch gut dran. Die Amerikaner mussten dafür ihren gesamten Jahresurlaub opfern und dann auch noch mit Jetlag kämpfen.
Es waren interessante Charaktere dabei. Zum Beispiel C., die allergisch gegen Zwiebeln war, eigentlich nur gegen rohe, die aber trotzdem jeden Kellner in Diskussionen verwickelte, über die Möglichkeit einer Zwiebelberührung oder darüber, dass Lauch ebenfalls zur Zwiebelfamilie gehöre.
Oder meine Mitbewohnerin aus Seattle, die sich irgendwann als Mansplainerin entpuppte: „Well, actually... (hier bitte allgemein bekannten Fakt einfügen)“. Ich musste dann immer reflexartig „Das das das wusste ich aber schon!!!“ rufen, souverän wie ein 7-jähriger Dino-Experte.
Oder A., 40, aus Washington DC, die über nichts anderes sprechen konnte als Männer. Sie war mit 24 schon mal verheiratet gewesen, hatte sich zwei Jahre später aber wieder scheiden lassen. Seitdem: It’s complicated. Sie erklärte, dass sie vor allem extrem leidenschaftliche Beziehungen mit Borderline-Persönlichkeiten erfüllten, aber auch, dass sie einen Partner fürs Leben suchte. Daher Tinder. Sie präsentierte mir eine Collage der hottesten Griechen auf Tinder, die sie auf ihrem Telefon angefertigt hatte. Es war eine Waschbrettbauchparade allererster Güte und als ich zugab, ich persönlich würde Männer mit einer kleinen Wohlfühlplautze bevorzugen, rief sie „WARUM? Du musst dich mit so was doch nicht zufrieden geben!“ Erst murmelte ich „Hä?“, aber dann sah ich es total ein.
Das könnte an Griechenland gelegen haben, es ist nämlich so in Griechenland, dass jeder zweite Mann, ja, wie formuliert man das jetzt politisch korrekt, also, TOTAL GEIEL aussieht! Braun gebrannt, hairy, gut angezogen, grünblaue Augen, die aus einer komprimierten Version der Ägäis bestehen. Und sie sind höflich: Wenn man ihnen beispielsweise im Mondschein randvoll gesteht, dass sie voll schöne Augen haben, sagen sie, man sei auch eine sehr schöne Frau und dann fahren sie einen mit ihrem Boot über das Meer nach Hause. (Zusammen mit den anderen Klappskallis natürlich.)

Es gibt nur zwei Probleme in Griechenland – und ich erwähne hier ausschließlich die Probleme, die ICH mit Griechenland habe – und das erste ist, dass man in Restaurants dauernd mit Unmengen von Essen und Tsipouro-Schnaps überschüttet wird, ich find, Gastfreundschaft muss auch Grenzen haben.
Und zweitens: Griechisch ist unlernbar! Deswegen werde ich Spanien allen anderen europäischen Urlaubsdestinationen vermutlich immer vorziehen. Denn dort gleichen meine Sprachkenntnisse denen eines Einheimischen. Eines 2-jährigen Einheimischen, aber immerhin. Nach Griechenland konnte ich ganze drei Vokabeln: Efcharisto, yassas und jia mas. Na gut, lag wohl auch daran, dass ich zu sehr mit dem Ami fraternisiert hatte.

Das Schöne am Urlaub mit den Alliierten ist: Die sind so positiv. Man bekommt jeden Tag Komplimente. Zum Beispiel für all die Sommerkleider, die ich im Gepäck hatte – die anderen hatten vor allem an praktische Outdoor-Klamotten gedacht. Und schon kam ich mir wieder vor wie eine richtige Europäerin. Aber ich legte mit Absicht noch eine Schippe drauf.
Ich ließ meine Kleider und mein Haar romantisch im Wind wehen, ich trank und rauchte, ich drehte meine Zigaretten selbst, ich erklärte, Monogamie sei unnatürlich und ich zog mich am Strand um. Ich spielte mich als Mittelmeer-Expertin auf („Haie? Hahaha, das einzige, was euch hier gefährlich werden kann, sind Quallen. Und jetzt rein mit euch ins kühle Nass, ihr Verrückten!“ *abwink* *amüsiert mit dem Kopf schüttel* *den Hai, den sie neulich vor Malle aus dem Meer gefischt haben verschweig*) Mein innerhalb von 15 Jahren ohnehin leicht mutierter britischer Akzent wurde immer bizarrer („Canoi ave sam wo’er?“) – eine Abwehrstrategie gegen vocal fry und die Angewohnheit der Amerikaner, jeden Aussagesatz wie eine Frage zu betonen. Und als wir die Wanderung durch die Schlucht machten, rannte ich förmlich dadurch, um die Tortur möglichst schnell hinter mich zu bringen, aber ich stelle mir vor, wie unglaublich fit und routiniert es gewirkt haben muss. Als mir der Ami Schmerztabletten gegen den Muskelkater anbot, lachte ich laut (nahm dann aber doch eine, des tat halt schon scheißeweh). Irgendwann setzte ich den Sonnenschutz ab und schon sprach man mich dauernd auf Griechisch an. Ich liebte es. Ach was, ich liebte MICH!
Und wenn ihr euch fragt, warum ich mich hier gerade so abfeier: Hab ich vom Ami gelernt. Nächstes Mal reise ich vielleicht lieber mit einem Haufen Griechen durch die USA.

Falls ihr aber auch plant, mal nach Griechenland zu fahren, kann ich folgende Orte empfehlen:

- Athen natürlich. Man muss sich diese Ruinen reinziehen, geht kein Weg dran vorbei. Und Lukumades essen, so Teigbällchen mit verschiedenen Toppings, z.B. Eiskrem. (P.S. Wenn Amerikaner „Gelato“ sagen, bekomme ich Gänsehaut am ganzen Körper. Nägelkratzen an einer Schiefertafel ist dagegen eine Wohltat.)

- Kalambaka. Crazy Felsen, wo Höhlen drin sind oder Klöster drauf stehen. Eins dieser Klöster steht komplett abgeschieden auf einem einzelnen Felsen drauf. Der Mönch, der da wohnt, meint es echt ernst mit dem Singleleben. Neulich aber, so unser Guide mit großen Augen, wollte eine Frau da im Bikini reinspazieren! Ich tat empört, konnte es aber insgeheim total nachvollziehen. Nutten unite!

- Loutro/Kreta. Ein Mini-Ort, den man nur per Boot erreichen kann. Grün-blaues Meer, weiß-blaue Häuser, ein paar Läden und Restaurants – bezaubernd. Für ein paar Tage. Der albanische Kellner in meinem Lieblingsrestaurant sprach, nachdem ich ihn mit einer Kirschzigarette bestochen hatte, Klartext: Stinkenlangweilig sei das hier auf Dauer. Whuaaat? (Andererseits: Wo nicht?)

- Santorini. Wir haben eine Bootstour gemacht, mit Schwimmen und Wein und Sonnentuntergang vor Oia. In Oia direkt war ich ca. 45 Minuten. Die schönste Sehenswürdigkeit sind die Instagram-Tussis, die durch die Gassen stöckeln, um ein Selfie vor den drei blauen Kuppelkirchen zu machen.

Und ihr so: „Das das das wusste ich aber schon!!!“ Ok.