Diesmal hab ichs echt gemacht! Ich bin gestern nach Neuseeland geflogen. Nachteil: Ich habe den 22. Februar 2017 nie erlebt. Und ich hatte einen Zwischenstopp in Texas, für den ich Donald Trump ca. 14 Euro überweisen musste. Aber es hat sich gelohnt: In Auckland ist alles so schön und aufgeräumt und man kann alles kaufen, was man sich wünscht und alle sprechen Englisch und sind VOLL nett! Zugegeben, ich war langsam reif für ein bisschen Komfort. Und für gutes Essen. Zu Mittag gab es Trüffelsuppe, Pilzsalat und Mango-Eis in einem Restaurant, dessen Karte zu 80 Prozent vegan ist. Einfach so, ohne dass man das großartig raushängen lassen muss. Ich freue mich sehr, damit meine zyklusbedingte Fressphase eingeläutet zu haben. In den nächsten Tagen soll eine Wein-Tour folgen.

Apropos saufen. Folgende Geschichte könnte mal nützlich sein, falls ihr in El Salvador seid und "Moonshine" angeboten bekommt. Mein 35ster Geburtstag ist dadurch nämlich ein klitzekleines bisschen aus dem Ruder gelaufen.
An diesem Tag waren wir in Suchitoto, der einzigen Stadt, die nach dem Krieg in den 80ern und 90ern noch einigermaßen heil geblieben ist. Ein Guide führte uns morgens durch die Hood, wir besuchten eine 97jährige Frau, mit der wir Zigarren rollten (ihr Geheimnis für ein langes Leben: "Ich habe nie geheiratet.") und wir fuhren stehend auf der Ladefläche eines Pick-Ups zu crazy Lava-Steinformationen. Woohoo! Mittags gab's dann ein Schnapsglas Moonshine mit einer in Zimt und Zucker gewälzten Limette. Keine Auffälligkeiten soweit.

Nachmittags machten wir eine Wanderung durch den Dschungel, badeten in einem Wasserfall, die Sonne schien und ich dachte: Kein schlechter Geburtstag! Bis zum "Duck-Dinner". Die Guides vor Ort unterstützen eine Familie in der Umgebung, indem sie ihre Kunden zum Entenessen zu denen schicken. Auch für Vegetarier sollte was geboten werden, also ging ich mit. Wie sich herausstellte, war die Ente ohnehin Nebensache, denn man stellte zwei Literflaschen Moonshine auf den Tisch. Da ich eine natürliche Abneigung gegen Schnaps hege, trank ich zwei Kurze und war bedient. Nicht so meine Freunde. Der ganze Tisch stachelte sich gegenseitig an, eine Australierin brüstete sich damit, mehr zu trinken als alle anderen, ihr Freund schrie dem 18jährigen Engländer ins Gesicht, er sei eine Pussy, wenn er sich weigere zu trinken. Der Junge trank. Währenddessen ließ sich der Gastgeber mit einem auf einen Ast gespießten Puppenkopf fotografieren. Die 66-jährige Kanadierin gestand jedem einzeln ihre Liebe. Der ganze Tisch sang zweimal Happy Birthday, inklusive hip hip hurra und man versicherte sich gegenseitig ohne Unterlass, was für ein großartiger Abend es war.

Als es Zeit war, sich zu verabschieden, konnte der Engländer nicht mehr gerade gehen. Ich führte ihn zum Auto und sah im Vorbeigehen die Australierin leblos auf einem Stuhl hängen. Die Zunge hing aus ihrem Mund, ihr Oberkörper sackte nach vorn zum Boden. Weil ich noch nie jemanden in so einer Verfassung (= tot) gesehen hatte, fragte ich ihren Freund: "Hast du sie schon mal so erlebt?" Er, abwinkend: "Ja, ja". Ich schlug vor, ihr hier und jetzt einen Finger in den Hals zu stecken. Doch ihr Freund und unser Guide einigten sich auf einen anderen Plan: Die Jungs stemmten unter den ungläubigen Blicken einiger halbwegs Nüchterner den Plastikstuhl, auf dem sie saß, auf die Ladefläche des Pick-up-Trucks. Die anderen scharten sich wie eine schützende Herde um sie herum. Eine Frau aus der Entenfamilie setzte sich ans Steuer. Ich neben sie, diverse Hände Besoffener haltend. Im Schneckentempo fuhren wir zum Hotel. Kaum gestoppt, göbelte die Australierin einmal komplett über die Ladefläche. Während die Gruppe versuchte, den Stuhl inkl. Körper wieder auf den Boden zu hieven, stolperte die 66-jährige Kanadierin. Sie fiel, es knackte und sie blieb mit dem Gesicht nach unten auf dem Kopfsteinpflaster liegen. Der Guide und ich rannten zu ihr und hoben sie hoch - ihr Gesicht: voll mit Blut. Sie stand unter Schock und antwortete nicht auf unsere Fragen. Die andere Deutsche aus unserer Gruppe rannte ins Hotel und holte M., Arzt und eigentlich auf Parasiten spezialisiert, aus dem Bett. Diagnose: Nase o.k., aber Gebiss kaputt und Zähne ausgeschlagen. Die Kanadierin sagte mittlerweile einen Satz, den dafür aber immer wieder: "Ich will nach Hause." Wir versprachen ihr, am nächsten Tag sofort einen Flug zu buchen, wenn sie das dann immer noch wollte.

Wollte sie natürlich nicht. Aber es dauerte zehn Tage, bis sie wieder hergestellt war. Ihr Mund war blau, die Nase voll Schorf und zu den Mahlzeiten gab es erstmal nur Milchshakes. In Granada, Nicaragua, reparierte dann eine Zahnärztin ihr Gebiss und sie sah wieder aus wie die Alte. Stellte sich heraus, dass sie schon seit den 70ern ein Gebiss trug, nachdem sie auf Acid von einem Felsen gestürzt war. Ach so!

Abgesehen von dieser Geschichte ist El Salvador wirklich ein wunderschönes Land. Weniger Touristen als in Mexiko, vielleicht, weil es gefährlicher ist. San Salvador ist nach Einbruch der Dunkelheit glaube ich eine No-Go-Area. Wir waren noch zwei Tage in El Cuco am Beach, haben Babyschildkröten ins Meer entlassen, eine Schildkrötin beim Eier verbuddeln am Strand beobachtet, Sundowner getrunken, Beachvolleyball gespielt und fast beim Bar-Quiz gewonnen (u.a. weil der 18jährige Engländer alle Friends-Charaktere mit Vor- und Nachnamen auflisten konnte, whuaaaat). La Tortuga Verde - kann man mal hin, wenn der Sand am Strand nicht blitzeweiss sein muss, man ihn dafür aber mit weniger Spacken teilen möchte.

Kurzzusammenfassung der anderen Länder:
In Honduras haben wir in Hot Springs gebadet.
In Nicaragua haben wir echte Lava im Masaya Vulkan gesehen, einen Mitreisenden als Rassisten entlarvt (50 Länder bereist zu haben macht nicht automatisch klüger) und riesige Schmetterlinge auf Ometepe Island beobachtet.
In Costa Rica haben wir einen Tag im Spaßbad verbracht und Zip-Lining gemacht (jawohl, ICH bin in 180 m Höhe in Supermanpose über den Regenwald gesaust und habe dabei höchstens drei Sekunden geschrien und gezappelt wie ein Baby, aller, allerhöchstens). Und der Engländer, die Deutsche und ich haben ein Backpacker-Bullshit-Bingo erstellt. Bisher haben wir folgende Aussagen gesammelt:
- I quit my job
- I left everything behind (also: im Haus seiner/ihrer Eltern)
- I want to find myself
- How old do you think I am?
- I "did" Southeastasia / India / Southamerica
- It was amaaaazing

Beispiel: I did central America and it was amaaaazing! Now I left everything behind to find myself in New Zealand.