Ich habe gerade einen Flug nach Barcelona gebucht. Jetzt geht's mir besser. Obwohl sich die ersten zwei Tage in München immer noch angefühlt haben wie Urlaub, weil das Wetter so gut war und ich nicht arbeiten musste (Biergarten galore!), ist klar: Ich bin jetzt erstmal hier gefangen. *nägelkau*

Fazit ist, wie auch letztes Mal: Wegzufahren war die beste Idee, die ich je hatte! Es ist EYE OPENING! Ich hätte z.B. nicht gedacht, dass ich mir mit einem 18jährigen Jungen oder mit einem Trump-Unterstützer viel zu sagen hätte, aber so war es. Ich habe eine Inderin getroffen, die 5 Jahre jünger war als ich, verwitwet ist und eine Tochter hat, und die nie wieder heiraten darf. Und eine Australierin, die gerne im Winter Urlaub in Deutschland macht und eine 66jährige, die so hart feiert, dass sie danach ein neues Gebiss braucht. Man übt sich darin, das Leben aus anderen Perspektiven zu betrachten. Aber, hey, es ist und bleibt bloß ein Ortswechsel. Die Top-Destinationen nach Kategorien:

Schönste Natur: Neuseeland + Costa Rica.

Beste Menschen: England. Freundschaften mit Locals sind selten, wenn man die Sprache nicht spricht. Wo auch immer ich hinfahre, am Ende trinke ich mit Engländern Bier und bringe ihnen Begriffe wie "notgeil" oder "fremdschämen" bei. Ich sollte nächstes Mal einfach nach England fahren.

Schönster Ort: Udaipur/Indien und Antigua/Guatemala.

Schönster Strand: Tulum/Mexiko.

Must-see: Ich hasse Sightseeing, aber das Taj Mahal = atemberaubend.

Schlimmste Unterkunft: Überraschungssieger in dieser Kategorie ist Neuseeland. Ich hatte ein massives Unterkunftsproblem in Auckland, weil nur abgefuckte Hostels und völlig überteuerte Hotels verfügbar waren. In die Ecke gedrängt, buchte ich ein Einzelzimmer in einem Hostel, das etwas außerhalb lag. Eine Gruppe Hippies inkl. Gitarrenspieler begrüßte mich milde lächelnd; ah, eine neue Seele in unserem Kreise. Ich checkte ein, man zeigte mir mein Zimmer. Es war ein WOHNWAGEN im Garten! Traveller-Romantik pur. Ich bedankte mich euphorisch und setzte mich in den Garten. Es stellte sich heraus, dass die meisten Anwesenden keine Gäste waren, sondern Wwoofer, die hier für Kost und Logis arbeiteten. Ihr Job: Gemüse von Bauern aus der Umgebung auf Märkten verhökern. Einer hatte eine nässende Brandwunde am Bauch, um die Fliegen kreisten, eine andere einen geschwollenen, mit Stichen übersäten Fuß, wieder eine andere einen blauen Zeh und blutige Kratzer am Arm, man verglich die Verletzungen und tauschte homöopathische Salben aus. Dann gab es Essen im Lazarett. Alles vegan, aber leider die egal-was-Hauptsache-nichts-vom-Tier-Variante. Ich würgte die schlonzige Pampe runter, während mein Auftritt immer näher rückte. Jeder musste nämlich aufstehen, seinen Namen sagen, seine Aufgabe für heute nennen (es wurde vorher ausgelost, wer abwäscht, aufräumt etc.) und seinem Nebenmann einen neuen Namen geben. Ich wurde "Pocahontas" genannt und verwarf "Kackstift" für meinen Nebenmann. Danach wurde ich der "Obstsalat fürs Frühstück machen"-Gruppe zugeteilt und sah mit offenem Mund, wie Teenager größtenteils verfaulte Früchte mit einem stumpfen Butterbrotmesser in völlig wahllos geformte Teile hackten. Traumatisiert zog ich mich in meinen Wohnwagen zurück. Erst da fiel mir auf, dass das Bett mit Bettwanzenscheiße kontaminiert war. Eine hellbraune Kakerlake rieb sich neben dem Kopfkissen die Hände. Ich fischte lange Haare aus der Bettdecke. Das Fenster, die Tür, nicht verschließbar. Ich verbrachte die Nacht damit, mir ein AirBnb zu suchen. Es fühlte sich sehr gut an, am nächsten Morgen da raus zu spazieren.

Bestes Essen: Mexiko. Ich dachte immer, Leute, die sagen "Das mexikanische Essen, das es in Deutschland gibt, hat mit der authentischen Landesküche nicht das Geringste zu tun" wollten nur einigermaßen elegant damit angeben, schon mal in Mexiko gewesen zu sein. Mag sein, aber außerdem haben sie recht! Hier gibt's immer nur Burritos, aber was ist mit Alambre? Ich hab mir alles aufgeschrieben, was da drin war, ich mach die und ihr seid alle eingeladen!

Lieblings-Blogleser: Du. Danke für deine Zeit und dein Interesse. Bis zur nächsten Reise! :)

(Foto: Brahim Bouirabdane)